Am Wochenende 30. Juni/1. Juli fanden die ersten zwei von insgesamt vier Kirchenkonzerten des Sinfonischen Blasorchesters Vorarlberg in diesem Jahr statt. Unter dem Motto
„The unanswered question“ wurde der Versuch unternommen, Fragen wie „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, „Wieviel Zeit bleibt mir“ musikalisch zu beantworten. Und der Versuch ist geglückt. Die Programmzusammenstellung von Dirigent Thomas Ludescher nahm die Besucher mit auf eine hochemotionale Reise. Verbunden wurden die Stücke mit Texte, welche die nachfolgenden Stücke vorbereiteten – zusammengestellt und gesprochen von Hubert Dragaschnig.

Mit den ersten beiden Stücken Hommage (Jan van der Roost) und Luces y Sombras (Licht und Schatten) von Ferrer Ferran ließ das Orchester auf das Leben als solches blicken. David Kessler an der Solo-Violine setzte mit seinem ausdrucksvollen Spiel einen ersten Höhepunkt im Programm – die nicht oft gehörte Kombination Blasorchester und Violine überzeugte vollends. Die Sopranistin Sabine Winter wurde bei den nächsten drei Stücken vom Orchester begleitet. In Komm süßer Tod, Schafe können sicher weiden und Lascia la spina, cogli la rosa (Lass die Dornen, pflücke die Rosen) wurden die Themen Todessehnsucht, Loslassen und der Tod besungen und bespielt.

Von sieben Fragen der Trompete in Charles Ives’ Stück The unanswered question werden sechs von Flötenchören beantwortet. Der wohlig warme Klang der Stabspieltremoli ist die Basis für diesen Dialog. Die siebte und letzte Frage aber bleibt unbeantwortet.

Danach präsentierte das SBV eine Weltpremiere: der niederländische Komponist Eduard de Boer transkribierte anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Orchesters sein Werk „Vita Aeterna Variations“ (Ewiges Leben) als Blasorchesterfassung. Die Variationen und Fuge über ein Originalthema sind überschrieben mit:
Zaghafter Beginn des Lebens – Voller Lebenskraft – Das Böse versucht zu verführen und es gelingt ihm allmählich – Das Schicksal schlägt zu – Verzweiflung – Erlösung – Allmähliche Rückkehr der Lebenskraft – Ungestüm, voller Vitalität und Freude an der Schönheit des Lebens;
In der Friedenskirche in Bürs und der Barbarakirche in Fließ entfaltete sich Vita Aeterna als klang- und emotionsgewaltiges Meisterwerk mit Momenten der Ruhe genauso wie Momenten, in denen der volle Orchesterklang zu erleben waren.

Als Abschluss dieses für Musikerinnen und Musiker und Publikum gleichermaßen emotionalen Konzertprogramms schloss das Orchester mit „Was mir die Liebe erzählt...“– einem Auszug aus der 3. Sinfonie von Gustav Mahler. Denn was bleibt, auch wenn die eine oder andere Frage im Leben unbeantwortet bleibt, ist die Liebe. Die musikalische Liebeserklärung des Orchesters an das Leben war der perfekte Abschluss für ein stimmiges und mitreißendes Konzertprogramm.

Wer die Konzerte verpasst hat, erhält im Herbst noch zwei Gelegenheiten, dieses außergewöhnliche Programm zu erleben: Samstag, 10. November in Rüthi (Schweiz) und Sonntag, 11. November in Mellau (Vorarlberg).
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